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Oh Yeah meets Clubtopia

Die Berliner Clubkultur ist weltweit einzigartig. Sie bietet täglich tausenden Menschen Erlebnis- und Kreativräume, die über das Musikalische hinaus Erfahrungen außerhalb gesellschaftlicher Normen ermöglichen. Immer wieder haben Berliner Clubs zudem gezeigt, dass sie auch politisch aktiv werden und sich in gesellschaftliche Debatten einbringen. Im Projekt Clubtopia des clubliebe e.V. zeigen Clubs auch ökologische Verantwortung. In Workshops und Diskussionsveranstaltungen werden Wege gesucht, die Clublandschaft ökologisch nachhaltiger zu gestalten. Oh Yeah e.V. unterstützt das Projekt und hat sich zum Interview mit Konstanze Meyer getroffen.

Konstanze, erzähl kurz etwas zu Dir und wie Du zu dem Projekt gekommen bist
Ich habe nachhaltiges Tourismusmanagement studiert und bin seit 2013 beim Clubmob aktiv. Das ist quasi der Vorläufer zum Clubliebe e.V. Dort leite ich das Projekt Clubtopia und bin fest angestellt beim BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Berlin).


Dazugestoßen bin ich eher durch Zufall über einen Zeitungsartikel. Ich fand die Idee total schön und wollte Umweltengagement mit einer sehr angenehmen Sache, dem Feiern, verbinden (lacht). Und das machen wir im Kern bis heute: Wir unterstützen die Clubszene darin, sich nachhaltiger zu entwickeln. Dafür haben wir verschiedene Möglichkeiten entwickelt.

Worum geht es?
Das Projekt vernetzt Expert*innen der Nacht & Nachhaltigkeit und motiviert zum konkreten klimafreundlichen Handeln im Club- und Veranstaltungsbetrieb.


Die Initiative setzt sich nicht nur für den nachhaltigen und klimafreundlichen Wandel der Berliner Clubszene ein, sondern auch dafür, dass die Clubs als Multiplikatoren und Kommunikationshubs für das Thema “grünes Feiern” dienen. Sie sollen das Thema Klimaschutz auch an ihre Gäste weitertragen.

Wer steckt hinter Clubtopia?
Clubtopia ist ein Kooperationsprojekt des BUND Berlin e.V., des clubliebe e.V. sowie der Clubcommission Berlin, die uns mit Rat und Tat sowie ihrem großen Netzwerk unterstützt. Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung, das Zentrum für Nachhaltigen Tourismus und die Livekomm unterstützen das Projekt, vor allem bei dem Thema Kommunikation.


Hauptsächlich finanziert wird das Projekt durch die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. Durch diese umfassende Finanzierung haben wir eine gewisse Unabhängigkeit.


Wie fördert ihr Nachhaltigkeit in Clubs denn konkret?
Wir haben gemeinsam mit weiteren PartnerInnen die virtuelle Klimaberatung „Green Club Guide“ erarbeitet und das Innovationslabor Future Party Lab 2015 und 2017 umgesetzt. Die Initiative Clubmob.Berlin gehört ebenfalls zur clubliebe-Familie und ist bereits seit 2011 mit Energieberatungen und Clubmob-Parties aktiv. Für den Wissenstransfer bieten wir bspw. auch Workshops auf Festivals und Fachkonferenzen an. Darüber hinaus haben wir in diesem Jahr die runden Tische ins Leben gerufen. Dabei überlegen wir zusammen mit ClubbetreiberInnen, wie ein Verhaltenskodex für umweltfreundliche Clubs aussehen kann. Daraus wollen wir dann mit konkreten Zielen an die Öffentlichkeit gehen.

Wieviel CO2 verbraucht denn ein Club an einem Wochenende?
Uns interessieren in erster Linie die CO2 Werte, die ganz eng an den Energieverbrauch geknüpft sind. Da ist man an einem Wochenende bei einem mittelgroßen Club (300 Gäste) ungefähr bei 0,6 Tonnen CO2. Das entspricht ungefähr 1000 kw/h – also dem, was ein Single im Jahr ungefähr verbraucht. Dazu kommen Mobilitäts-Emissionen für Logistik und Lieferungen sowie bspw. Heizenergie. Jedoch sind das alles sehr individuelle Parameter.

Welche Impulse bringen ClubbetreiberInnen denn zu mehr Nachhaltigkeit?
Es gibt hier mehrere Aspekte. Zum einem ist es das was sichtbar ist. Da geht es viel um Müll, angestoßen durch das Thema Plastikstrohhalme – das kommt sogar vor allem von den Gästen. Diesen Impuls nutzen wir dann um weiterführend zu Müllvermeidung und -trennung zu beraten.

Zum anderen geht es um die nicht sichtbaren Dinge wie Strom und Energieeffizienz. Diese Punkte werden Betreibern erst sichtbar, wenn ihre Stromrechnung ins Haus flattert und sie sehen, dass bspw. ein bestimmter Kühlschrank unfassbar viel Strom verbraucht. Unser Wunsch wäre natürlich, dass Clubs aus Umweltbewusstsein weniger Energie verbrauchen wollen aber schlussendlich ist es natürlich auch eine Kostenfrage. Dennoch kommen viele Impulse auch von den Clubs selbst. Wenn sie zum Beispiel gutes Technik-Personal haben, können diese ihre Schwachstellen für hohen Energiebedarf mit aufdecken und Lösungsansätze aufzeigen.

Jetzt haben wir über Potentiale für die Clubs gesprochen. Aber kann ich als ClubgängerIn auch etwas beisteuern?
Klar, oft schon mit kleinen Schritten. Zum Beispiel einfach das Pfandglas an die Bar zurück bringen und die Flasche nicht draußen stehen lassen, sodass sie weder kaputt geht noch draußen verrottet. Oder sich beteiligen an den Future Party Labs.


Vor ein paar Tagen habe ich ein kleines Kit mit Dingen kreiert, die sinnbildlich für die Maßnahmen stehen, die jeder Clubgast in Punkto Nachhaltigkeit machen kann.

Ein BVG Ticket mit dem Hinweis auf das Mobilitätsverhalten: Man muss nicht für ein Club-Wochenende nach Barcelona fliegen, um sich 48 Stunden weg zu ballern und wieder zurückzufliegen. Im Idealfall nutzt man den ÖPNV, also Schienen oder landgebundene Strecken. Es gab auch Konfetti aus getrockneten Blüten. Das steht für das Abfall- und Plastik-Vermeiden. Desweiteren hatte ich eine Glasflasche eingepackt mit dem Hinweis darauf, Leitungswasser zu konsumieren. Dies hat eine ca. 600 mal bessere CO2- Bilanz als abgefülltes Flaschenwasser. Weiterhin kann man vor Ort nach lokalen Getränken fragen, denn je mehr auf unterschiedlichen Kanälen danach gefragt wird, desto mehr ist der Club auch bereit da was zu machen.
Und dann gab es noch einen Strohhalm aus Bambus sowie Shot- Becher aus Metall.


Größere Schritte wären, sich an Crowdfunding Kampagnen zu beteiligen (z.B. die erfolgreiche Kampagne zu Jonny Knüppel). Nachhaltige Lösungen sind super, erfordern aber eben auch eine Umstellung. Wenn es bspw. statt einem Abfallbehälter plötzlich drei gibt, dann ändert das die Prozesse und das braucht natürlich nicht nur die Köpfe der Clubs sondern die aller Beteiligten/ aller Teams und am Ende müssen auch die Gäste mitgenommen werden.

Was sind die größten Herausforderungen vor denen ihr aktuell steht?
Die Nummer Eins ist deckungsgleich mit der der Clubkommission, nämlich die Verdrängung der Clubkultur. Nachhaltigkeit beinhaltet, dass man an ein Morgen denkt. Das setzt aber voraus, dass es für Clubs auch ein Morgen gibt und dass sie auch in einem, fünf oder zehn Jahren noch dort sein können. Ohne diese Perspektive ist es schwer sich irgendwie weiterzuentwickeln – nachhaltig und ökologisch.

Was denkst du, sind Eure Stärken? Warum braucht man Euch?
Die Stärke von Clubtopia liegt darin, dass wir Menschen zusammenbringen, die sich sonst nicht unbedingt treffen. Auf der einen Seite die Clubszene und auf der anderen Seite „die Ökofuzzis“. Wir wollen alle zusammenbringen, damit es zu einem Austausch kommt und alle gemeinsam an einer Sache arbeiten können. Wir wollen uns auf Augenhöhe treffen, voneinander lernen und den Weg zusammen definieren.

Die große Stärke der Clubszene liegt darin, dass sie wahnsinnig kreativ ist und auch mit kleinen Mitteln unfassbar beeindruckende Sachen macht. Im Moment ist es noch sehr schwierig, kostenintensive technische Neuerungen zu integrieren, deshalb ist diese Kreativität enorm wichtig.

Wie können wir bei Euch Mitglied werden?
Einen Mitgliedsantrag ausfüllen. Weitere Infos findet ihr unter: clubtopia.de

Was hat dich zuletzt wirklich bewegt?
Das ist sehr einfach: Mich hat der globale Klimastreik am 20. September 2019 sehr bewegt- vor allem, wie viele Menschen das Thema mittlerweile mobilisiert und zu realisieren, dass meine gedachte Ökoblase inzwischen richtig schön groß geworden ist. Und eigentlich auch keine Blase mehr ist.

Welche Superheldenkraft hättest du gerne?
Ich würde gerne Menschen mit meiner Gedankenkraft dazu bringen, Sachen umzusetzen. Sprich die Idee die in ihren Köpfen bereits vorhanden ist, anzustoßen, sodass sie diese auch verwirklichen. Ich würde gerne via Telepathie Steine ins Rollen bringen.

Das letzte Wort…
Ich hoffe, dass wir mit mit unserer Initiative dazu beitragen können, nicht nur Clubs nachhaltiger und klimafreundlicher zu machen, sondern dass wir auch die Gesellschaft inspirieren. Weiterhin hoffe ich, dass wir als kleines Rädchen die Veränderung zu mehr Klimaschutz und Umweltschutz antreiben.

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